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2008

Wikinger Tour

Reiseroute Sommer 2008

Do. 9. Mai bis So. 12. Mai - Hafengeburtstag Hamburg

Museumshafen Oevelgönne

In diesem Jahr fahre ich zum ersten Mal auf Betty mit einem fest eingebauten Navigations-plotter der Marke Geonav und der Navigations-Software von Navionics. Das muß erklärt werden: Während der letzten Saison verblaßte das Display meines neuen Apelco Fishfinders (gebraucht bei Ebay als Ersatz für den Vorherigen ersteigert) immer mehr, so das eine andere Lösung gefunden werden mußte. Die neue Anzeige sollte in die vorhandene Aussparung des Kajütschots passen, was die marktüblichen hochformatigen Fishfinder nicht taten. Der Plotter Geonav 7wide paßt dagegen genau und hat dazu noch einen Fishfinder, der als sogenannte 'Blackbox' angeschlossen werden soll. Wie sich dann nach dem Kauf beider Geräte herausstellt, passen der in Betty unter ungefähr einer halben Tonne 'vergrabenem' Geber des alten Echolots und der Fishfinder von Geonav einfach nicht zusammen. Jetzt habe ich zwar eine digitale Seekarte, auf der die genaue Schiffsposition jederzeit per eingebautem GPS anzeigt wird...aber immer noch kein Echolot!
Nach langem Suchen findet sich dann im Internet eine 'Blackbox' von Accusense, die in der Lage ist, die Signale vom vorhandenen P19-Geber in NMEA Daten zu übersetzen. Diese werden jetzt vom Geonav in einem eigenen Fenster zuverlässig angezeigt und das funktioniert so gut, dass die Navi - zusammen mit dem Autopiloten von einer extra installierten Verbraucherbatterie versorgt - bei jedem Törnbeginn gestartet wird und jederzeit als Echolot fungieren kann.

Mi. 18.06.08 - Glückstädter Außenhafen

Der erste Segeltag der Wikinger Tour - der diesjährigen Sommerreise - beginnt mit viel Sonne und wenig Wind, später ist über der Elbe weniger Sonne, aber dafür mehr Wind. Die neue Fockschotführung überzeugt mich noch nicht ganz: der Holepunkt ist zu weit achtern. Dafür scheint die Maschine nach der unendlichen Geschichte vom überheizenden Motor im Frühjahr voll OK zu sein. In Glückstadt angekommen ist das Vorstag (Fockstag) sehr lose.

Do. 19.06.08 - Brunsbüttel Schleusenhafen

Schnelle Morgenfahrt (7-8 kn) bei ablaufendem Strom und zunehmendem Wind, dazu Frühstück während der Fahrt. In der Brunsbüttler Alten Schleuse kommt ein gefährlicher achterlicher Schwell von einem schwedischen Feeder, der die Schraube auch in der Schleuse laufen läßt. Dann kommt am Abend Rainer mit seinem schönen klassischen Motorcruiser "Zeeta" längsseits und später findet das erste Treffen des gesamten Filmteams beim Griechen statt, während Deutschland im Viertelfinale der EM Portugal 3:2 schlägt. Bunsbüttel feiert mit einem Autokorso und hunderten von Fahnen.

Fr. 20.06.08 - Brunsbüttel Schleusenhafen

Heute bleibt Betty im Hafen, während Rainer am Morgen zum Fachsimpeln an Bord kommt, das später auf seiner "Zeeta fortgestzt wird. Dann kommen die Regisseure Carsten und Dorit mit den Schauspielern zum Hafen und die Dreharbeiten von 'Blind im Wind' beginnen auf der "Zeeta" und dem Nordostseekanal.

Sa. 21.06.08 - Yachthafen Cuxhaven

Dies ist Betty's wichtiger Drehtag für den Film 'Blind im Wind'. Morgens um 08.00 Uhr laufen Betty und Zeeta gemeinsam zur Alten Brunsbüttler Schleuse aus, wo in der Schleusenkammer die ersten Szenen gedreht werden. Dann geht es mit beiden Schiffen auf die Elbe hinaus während Carsten und Dorit Szene auf Szene in den Kasten kriegen. Das geplante Trockenfallen in der Mündung der Oste gelingt nur halb: da wir zu spät an der vorgesehenen Stelle sind, sitzt Betty zwar im Schlick, aber bei Niedrigwasser sind noch immer ca. 50 cm Wasser rund ums Schiff. Als die halbe Crew auf einer trocken gefallenen Stelle im Watt dreht, wird Rainer auf der Zeeta von der Wasserschutzpolizei stundenlang von oben bis unten kontrolliert; wir können auf Betty nur zusehen und uns wundern. Später, als Betty wieder schwimmt, filmt Dorit verschiedene Segelmanöver der Betty von dem Motorboot aus, bis Rainer mit Zeeta mit auflaufendem Wasser in Richtung Hamburg abbraust. Das komplette Team ist jetzt auf Betty und segelt bei schönem halbem Wind ganz gemütlich nach Cuxhaven, wo wir so um 19.00 im Yachthafen festmachen und die müden Schauspieler und das ganze Equipment ausladen. Abends bin ich wieder allein und mach mir ein gut schmeckendes Abendessen.

So. 22.06.08 - Friedrichstadt - Eider

Das kurze Wetterfenster nutzend laufen wir um 06.30 vom Yachthafen Cuxhaven raus auf die Nordsee in Richtung Süderpiep aus und segeln unter wolkenverhangenem Himmel bei warmem, aber schauerhaftem Wetter nach den Wegepunktem im Geonav (am Abend vorher gesetzt) die Schleswig-Holsteinische Küste entlang. Nach einem kurzen Gewitter klart es vor der Eidermündung auf und die Sonne bricht hervor als ich im Watt, von lässigen Robben auf einer Sandbank beobachtet, den Anker fallen lasse. Vor Anker wird das Groß geborgen und das Deck aufgeklart um, zum Flußschiff geworden, die Eider über das Sperrwerk bei Tönning bis zum herrlichen Friedrichstadt zu motoren.

Mo. 23.06.08 - Schleuse Nordfeld - Eider

Ein stürmischer Tag mit Böen bis 7 Bf aus West machen es schwierig aus der Box in Friedrichstadt zu kommen. Dann eine Rauschefahrt vor dem Wind auf der Eider bis zur Schleuse Nordfeld und... hier ist Schluß! Die Schleuse öffnet wegen zu hohem Pegel nicht, weshalb ich an einer grünen Fahrwassertonne vor der Schleuse - nach mehreren Versuchen bei diesem Sturm - festmache und 2 1/2 Stunden warten muß. In der Wartezeit das 2.Klüverfall neu geriggt. Dann spät durch die Schleuse gefahren und gleich dahinter an einem freien Steg festgemacht.

Di. 24.06.08 - Gieselau Schleuse

Gieselau Schleuse

Enttäuscht von den landschaftlichen Reizen des tidenlosen Flußlaufs der Eider - meine Erwartungen waren wohl einfach zu hoch gewesen - motore ich durch einen wolkigen Junitag. Deshalb wird der einzige Halt am frühen Nachmittag an der Lexfähre gemacht - wo, neben einem großen holländischen Stahltmotorschiff festgemacht, plötzlich aus einem kühlen Frühlingstag ein warmer Sommertag wird. Als Günter und Moni angekommen sind, sitzen wir auf der Gastättenterrasse bei Kaffee und Eiscreme und genießen den Nachmittag. Als Moni wieder gefahren ist, trödeln Günter und ich mit Betty in Richtung Gieselauschleuse, die aber um 5 Minuten vor 18.00 nicht mehr geöffnet wird. Also machen wir vor der Schleuse am Warteschlengel fest und freuen uns über die Stille um uns herum.

Mi. 25.06.08 - Kiel/Strande

Beim frühen Start vor der Gieselauschleuse, müssen Günter und ich ein Leck im Wassertank feststellen - der 100l Tank ist leer, obwohl ich ihn noch vorgestern in Friedrichstadt randvoll gefüllt hatte - nur das Leck selbst können wir nicht finden. Dann folgt eine typische ereignislose - sprich furchtgar langweilige - Nord-/Ostsee Kanalfahrt und Schleusung in Holtenau in die Kieler Förde. Da ist aber dann was los: die Kieler Woche hat wieder viele traditionelle und moderne Schiffe auf die Förde gelockt und wir segeln mit kleiner Beseglung (Klüver1 und Fock) mitten durch die Flotte. Später machen wir uns auf den Weg nach Strande, um mit den Seglern im Olympiahafen Schilksee das Halbfinale der EM zu gucken.

Do. 26.06.08 - Museumshafen Kappeln

Ein sonniger, aber auch ziehmlich windiger Tag mit Böen von bis zu 7 Bf aus W-SW. Mit 2 Reffs im Groß und Klüver Nr.2 läuft Betty ganz ordentlich, bis der Klüverbaum mal wieder aus seiner Befestigung am Steven springt und der Klüver geborgen werden muß. Danach ist der Ruderdruck so stark, daß wir geschafft in die Schlei laufen, im Museumshafen Kappeln festmachen und einen gemütlichen, sonnigen Nachmittag an Deck verbringen.
Schon einen Tag später können wir die Frischwasserversorgung so improvisieren, dass man aus den zwei tragbaren 1ol Plastiktanks, die im neben der Maschine festgelaschten Faltkorb untergebracht sind, wie gewohnt in der Pantry Trinkwasser pumpen kann.

Fr. 27.06.08 - Sønderborg

Nach dem Setzen des Groß hinter der Brücke in Kappeln hätten wir durch ein fehlerhaftes Steuermanöver beinahe einen am Kai liegenden Fischkutter mit dem Klüverbaum gerammt. Draußen auf der Ostsee herrscht zunächst Flaute und wir treiben mehr als das wir segeln, später nimmt der Wind rechtsdrehend stetig zu und wir müssen den Klüver1 bergen. In der Bucht vor Sønderborg nimmt Betty die höher werdende Welle viel besser als vor der Verlagerung des Ballasts im Frühjahr: jetzt ist sie zur am Wind segelnden Yacht geworden! Trotzdem segelt es sich sehr naß bei all dem Spritzwasser, das über das Deck kommt. Nachdem Festmachen im Hafen von Sønderborg geht Günter von Bord und nimmt den ersten Zug nach Hamburg.
In der Nähe vom kleinen Sonderborger Bahnhof liegt auf einer kleinen Anhöhe ein Park, wo ich unter Büschen versteckt auf einen Grabstein stoße, der an einen im Deutsch-Dänischen Krieg im Jahr 1864 gefallenen deutschen Offizier erinnert. Kurz danach stoße ich auf eine Art Kriegerdenkmal und begreife: hier fand im April 1864 der berühmt berüchtigte Sturm auf die Düppeler Schanzen statt, der der Anfang vom Ende für die dänische Krone im Herzogtum Schleswig bedeutete. In jenem Jahr fielen vor allem Hunderte von jungen namenlosen Soldaten beider Länder für ein Imageprojekt der Preußen unter dem Kanzler Bismarck.

Sa. 28.06.08 - Dyvig

Betty im Dyvig Vig

Kurzes Motorsegeln den Als Sund/Fjord hinauf, da mir das Kreuzen nur unter Vorsegeln zu mühsam ist. Nach dem Festmachen in Dyvig, wo ich dachte, Betty hätte früher im Sommer ihren Liegepltz gehabt, mache ich einen ausgedehnten Spaziergang an den Feldern und den schönen Wassern des Vig entlang nach Mjels. Hier erkenne ich sofort den langjährigen Sommerplatz Betty's unter meinen Voreignern wieder: ein wirklich als "hyggelig" - also gemütlich - zu bezeichnender kleiner Hafen, mit wenigen Dauerliegern, Badestrand und Reitstall in der Nähe. Auf einem Kennenlerntörn im Jahr 2002 war ich mit Jo Kähne auf Betty schon mal hier.

So. 29.06.08 - Middelfart Havn

Längsseits der 'Seestern' im Middelfart Havn

Eine herrliche Rauschefahrt unter voller Besegelung (Groß, Klüver1, Fock und Topsegel) bei meist halbem Wind (satte 3 Bf) schafft Betty es mit bis zu 7,5 Knoten einige moderne Yachten in Grund und Boden zu segeln. Da ich keine größeren Fehler mache, schaffen wir ordentlich Strecke. Beim Einlaufen in den Middelfart Havn versetzt uns starker Strom fast auf die Mole um dann unter hohen Touren im kleinen Hafen neben der 'Seestern', einer Halberg Rassey 38 aufzustoppen, die zum Glück meine Leinen annehmen. Und welche Überraschung: es ist das selbe Schiff, das am Vortag in Dyvig Schwierigkeiten beim Einparken in die Box neben mir hatte. Sie gehört Helga und Herbert Endrass aus Kiel, die mit drei Mitseglern wie ich ins Kattegat unterwegs sind.Wir verabreden uns spontan, am Abend das Endspiel Deutschland - Spanien zusammen in einer Kneipe zu gucken.
Auf einem längeren Gang am Wasser entlang und dann im Halbkreis um den Ort laufe ich an einem schönen, alten Gebäude mit einem wunderbaren parkähnlichen Garten vorbei - Privatbesitz? Jetzt bin ich neugierig und will wissen, was sich dahinter verbirgt. Nach einem kurzen Umweg durch einen Wald stehe ich vor dem Haus: Es ist Dänemarks Keramikmuseum Grimmerhus und der - öffentliche Park - ein Skulpturengarten. Ganz allein verbringe ich eine lange Zeit mit den spannenden, größtenteils modernen Plastiken, die alle einen direkten Bezug zur Parklandschaft um sie herum haben.
Auf dem Weg ins Zentrum finde ich eine urige Hafenkneipe, wo das Spiel auf Großleinwand gezeigt wird. Abends erleben wir dann mit einigen anderen Deutschen und vielen Dänen in sehr netter Atmosphere (super Wirt) eine sehr, sehr schlechte deutsche Mannschaft 0:1 gegen großartig spielende Spanier verlieren. Das förtert die Stimmung nicht besonders, aber die Crew der 'Seestern' kommt noch mit einem Fäßchen Bier zu mir an Bord und wir machen das Beste daraus.

Mo. 30.06.08 - Århus Museumshafen

Museumshafen Århus Panorama

Betty läßt sich nicht vom Autopiloten steuern: entweder der Druck vom ungerefften Groß und dem großen Klüver1 ist bei 4-5 Bf achterlichem Wind einfach zu groß, oder die Verlagerung des Ballasts hat die Kursstabilität verschlechtert. Das bedeutet, dass ich die lange Strecke bis Århus per Hand steuern muß, was ungewohnt anstrengend ist - ich kann die Pinne immer nur für ein paar Sekunden allein lassen, was jede Veränderung der Segelstellung sehr schwierig macht, ganz abgesehen von den privaten Bedürfnissen.
Bei Hov entscheide ich spontan im letzten Moment durch die Rinne vor dem Hafen zu fahren. Zum Glück, denn der Wind dreht auf NW und frischt weiter auf. Dann endlich um 19 Uhr mache ich im Museumshafen von Århus ganz außen neben einem geklinkerten dänischen Fischkutter fest.

Di. 01.07.08 - Århus

Eine große Welle vor Kanigawa von Hokusai   Große Kiefer bei Karasaki im Abendregen von Utagawa Hiroshige
Eine große Welle vor Kanigawa
 
Große Kiefer bei Karasaki im Abendregen
 

Heute ist 'Hafentag' in Århus und der Tag für Einkäufe. Auf dem Weg in die Stadt komme ich an einer großen Schiffsmotorenwerkstatt vorbei und beschließe spontan um Hilfe bei dem Kühlwasserproblem zu fragen. Etwas später sind zwei Mechaniker an Bord und probieren die selben Gründe zu erforschen, die ich schon zig Mal untersucht hatte . Natürlich ohne Erfolg (allerdings sind ihre Motoren von Saab und nicht Volvo). So komme ich erst am Mittag wirklich los um auf einem kreisförmigem Weg in Richtung Zentrum zu gehen. Noch in den Vororten, nach einem Zickzack-Weg durch blühende Parks und Friedhofsanlagen, finde ich am Bürgersteig unter allerlei Müll in zerbrochenen Rahmen zwei japanische Kunstdrucke: Hokusai's 'Eine große Welle vor Kanigawa' und Hiroshiges 'Große Kiefer bei Karasaki im Abendregen'. Beide sind leicht beschädigt, aber wunderbar und ich nehme sie mit.
Später esse ich ausgiebig Lunch in einem kleinen Hinterhof und nach dem Kauf von Klamotten und frischen Lebensmitteln schwer mit Tüten beladen finde ich ein herrenloses Citybike - Fahrräder, die jeder Tourist nach Einwurf von 20 Kronen leihen kann - auf dem ich mich und mein Gepäck glücklich die paar Kilometer zurück zum Schiff transportiere.

Nach dem Abendessen schwinge ich mich nochmal auf das Citybike und fahre ins Zentrum von Århus, das an diesem Dienstagabend allerdings trotz warmer Sommerluft wie ausgestorben ist. Ich finde nur eine Bar 'Casablanca' mit Tischen davor, wo ein paar Raucher mit Blick auf einen Kirchhof sitzen. Später setzt sich an den Nachbartisch ein jüngerer Typ, der mir vom Museumshafen her bekannt vorkommt. Über Feuer-geben spreche ich ihn an und habe recht gehabt. Er heißt Asbjoern, kommt aus Århus und besitzt einen 30er Skärgårdskryssare (Schärenkreuzer), mit dem er am nächsten Tag mit Freunden in Richtung Deutschland segeln will. Also sprechen wir über Kurse, Häfen und des Seglers liebstes Thema: das Wetter. Als wir dann zum Hafen aufbrechen, hat das Citybike einen neuen Besitzer gefunden und wir müssen zu Fuß laufen. Später sitzen wir noch einige Zeit auf Asbjoerns Boot und fachsimpeln über unterschiedliche Schiffstypen und ihre Herkunft.

Mi. 02.07.08 - Ebeltoft Museumshafen

vor der Fregatte im Museumshafen von Ebeltoft

Nach einem späten Start am Mittag bin ich bis gegen nachmittag erfolgreich aus der Århus Bugt herausgekreuzt. An diesem Schönwetter-Segeltag steuert der Autopilot 'mal wieder sehr gut und hilft ganz entscheidend beim Gegenankreuzen. Der Liegeplatz im Museumshafen Ebeltoft ist umsonst und trotzdem sehr gut, wie auch die Waschräume im Fregattenmuseum, die toll sind.

Do. 03.07.08 - Ebeltoft

Fahrradtour von Ebeltoft über die Djursland Halbinsel

Heute ist 'Hafentag' in Ebeltoft und der Tag für die Nachforschung von Jugenderinnerung. Im Jahr 1966 - ein ziehmlich verregneter Sommer während der für Deutschland (im Endspiel gegen England) siegreichen WM - war ich mit der Familie in einer kleinen Pension in der näheren Umgebung von Ebeltoft. Trotz verschwommener Erinnerung bin ich sicher, das Haus wiederzuerkennen, wenn ich es sehe. Nach dem Frühstück befrage ich die Dame im Touristenbüro, wo ich nähere Informationen und eine Karte der Umgebung bekomme. Dann besuche ich das Zentrum von Ebeltoft, wo ich in der Morgensonne über einem Cappucino mit Volvo in Hamburg telefoniere, um mir wenn nötig eine Ersatzpumpe nach Kopenhagen schicken zu lassen - ich soll zuerst einmal versuchen, dort eine zu bekommen. Schon gestern abend hatte ich einen Fahrradverleih ganz nah beim Hafen gefunden, wo ich jetzt so gegen zwölf Uhr tatsächlich ein prima Rad bekomme.
Aufgrund verschiedener Erinnerungsbruchstücke vermute ich den Ort unserer Sommerfrische noch in der Bucht, an der Ebeltoft liegt und fahre deshalb - mehr auf gut Glück - nach Süden an der Küste entlang auf schmalen Waldwegen durch ein größeres Forstgebiet. Jetzt um die Mittagzeit wird mir bald ganz schön warm und erst jetzt merke ich, dass ich meine Badesachen vergessen habe. Wie ärgerlich, denn nach einer guten Stunde kreuz und quer durch das Wäldchen komme ich zu dem ersten Badestrand des heutigen Tages, wo wegen der Urlaubzeit natürlich viele Familien mit Kindern sind. Der ungefähr 100 Meter breite Sandstrand mit der dünenartigen, mit Krüppelkiefern bestandenen, nicht zu hohen Böschung zum Weg kommt mir schon sehr vertraut vor. Entlang den typischen skandinavischen Ferienhäusern - die aber alle in den letzten 30 Jahren gebaut sind - geht es unter Birken und Kiefern weiter auf einem Sandweg, bis dieser endlich asphaltiert ist und die Häuser jetzt größer und älter werden. Als sich linker Hand ein Strandparkplatz mit einem wohl schon viele Jahre aufgegebenen Kiosk öffnet, ist dieses Gefühl von "schon einmal hier gewesen zu sein" plötzlich ganz stark und ich folge der Abzweigung ungefähr einhundert Meter bis zu einem großen Eckhaus und bin sicher: dies war die Pension, wo wir 1966 im Urlaub waren. Heute scheint es ein Privathaus zu sein, aber das Kinderferienlager auf der anderen Seite der Straße macht es mir leicht, sicher zu sein, dass ich mein Ziel gefunden habe.

Jetzt ist es aber erst halb zwei Uhr mittags und nach einer kurzen Schokoladentafel-Pause nutze ich den ganzen langen Nachmittag um mit dem geliehenen Fahrrad möglichst viele Strände entlang der Küste der Halbinsel von Djursland zu erforschen. Da besuche ich eine künstliche Yachthafenanlage hinter einer Schleuse mit zahllosen leerstehenden Ferienhäusern (wie überhaupt das ganze Land entlang der Küste von Bungalows zugebaut ist); ich finde wunderschöne, leere Strände mit herrlich weißem Sandstrand (hier kann ich auch ohne Sachen in der leichten Brandung baden); ich fahre über hügelige Feldwege zu versteckten Campingplätzen an einer imposanten Steilküste und vorbei an einem endlosen Kieselsteinstrand bis zu einem typischen Strandhotel mit Supermarkt und Bushaltestelle. Von hier geht es quer über die Halbinsel zurück zum Hafen, wo ich - nach ca. 60 km Fahrt - erschöpft und glücklich noch vor Sonnenuntergang ankomme.
Hier ist gerade der Eigner des 'Colin Archer ähnlichen' Bootes an Bord, neben dem ich gestern festgemacht hatte und wir kommen schnell ins Gespräch. Er war Bootsbauer im Museumshafen von Roskilde und weiß viel über alte Schiffe in Skandinavien und kennt sich auch mit englischen Smacks gut aus. Wegen einer Frau, so erzählt er, als wir bei Betty an Bord noch einen Schluck nehmen, ist er in die Nähe von Ebeltoft gezogen und hat nun nicht mehr genug Zeit, sich um sein Schiff zu kümmern. Eine recht traurige Geschichte, die ich auf dieser Reise immer wieder höre
.

Fr. 04.07.08 - Odden Havn

Blick auf Odden Havn von der Restaurantterasse aus

Überraschend wechselnde Windstärken (1 - 4 1/2 Bf.) und Windrichtungen (SE - E NE) machen das Segeln ins Kattegat zur Herausforderung - mit einmal gerefftem Groß gestartet, Topsegel hoch, Top runter, Groß ausgerefft, Top runter - aber auch zum großen Spaß. Zuerst versuche ich hoch am Wind nach Grenaa zu kreuzen, gebe das dann aber auf um einen Kurs auf einen Hafen an der Nordküste Seelands anzulegen. Und es lohnt mit dem Hafen Odden, ohne am Morgen gewußt zu haben, wo es zum Abend hingehen würde. Von hier aus ist Kopenhagen nicht mehr weit und ich habe jetzt um so mehr Optionen für die nächsten Tage!
Beim Warten aufs Abendessen auf der Terrasse eines Fischrestaurants am Hafen - vom Hafenhandbuch sehr empfohlen - lerne ich einen schwedischen Gentleman und seine Frau kennen. Sie fahren mit dem Auto, einer schönen Jaguar Limosine, wie ich später herausfinde, durch Dänemark und sind spontan in einem Hotel hier abgestiegen. Wir unterhalten uns auf Englisch sehr gut über alle möglichen Themen und später auf dem Weg zurück zum Schiff treffe ich beide beim Hafenrundgang. Auf meine Einladung hin begleiten sie mich an Bord. Hier unter Deck, wegen der nächtlichen Kühle, will das Gespräch nicht mehr so recht in Gang kommen. Mein weiblicher Gast fühlt sich sichtbar unwohl in der bescheidenen Kabine und nach einem Glas Wein verabschieden sich Beiden, wobei ich das Gefühl habe, dass er noch ganz gern geblieben wäre.

Sa. 05.07.08 - Skansehage bugt

in der Skansehage bugt vor Anker

Nach einer kleinen Einkaufstour in den Fischerort Odden um Brötchen und Brennspiritus zu kaufen bin ich an diesem sonnigen Samstagmorgen einen schönen Weg entlang der Küste zurück zum Schiff gelaufen. Dann spätes Frühstück und deshalb später Start in einen sehr sonnigen und gemütlichen Segeltag zur Skansehage bugt, einer beliebten Ankerbucht an der Einfahrt zum Isefjord. Auf dem Weg haben wir die schicke Lemster Aak von einer Niederländerin und einem Deutschen, mit denen ich gleichzeitig gestartet bin, unter vollen Segeln und bei halbem Wind locker abgehängt. Um viertel vor Fünf ist die Bucht an einem Samstagnahmittag im Juli natürlich schon voll von ankernden Booten, aber ich finde noch ein Plätzchen. Jetzt käme ich nur mit dem aufblasbaren Schlauchboot, dass ich vor Jahren einmal geflickt, aber seitdem nicht ausprobiert hatte, an Land. Ich beschließe, einen Test zu wagen, merke aber vorher, dass der Anker nicht hält und ich auf ein benachbartes Boot zu treibe. Also schnell die Maschine anwerfen, Anker hochholen und an einen anderen Platz verholen, Anker wieder fallenlassen und mit rückwärts laufender Maschine eingraben! Jetzt bin ich erstmal unsicher, ob er diesmal hält und lasse mir beim Aufblasen des Beibootes viel Zeit. Nach einer guten halben Stunde aufgeblasen im Wasser bin ich ziehmlich sicher, dass die Luft in den Schläuchen bleibt und der Anker hält. Leider ist es für einen ausgedehnten Landgang jetzt schon zu spät und ich drehe nur ein paar vergnügte Runden um Betty mit meinem neuen Boot.

So. 06.07.08 - Museumshafen Roskilde

im Museumshafen Roskilde

Der Roskilde Fjord ist nicht wie die Untertrave: die Ostseite ist auf der ganzen Strecke bis Roskilde mit Ferienhäusern bebaut, die Westseite ist dagegen Natur pur und annähernd nicht so schwierig anzusteuern, wie Jan Werner in seinem Revierführer 'Dänemark 2' beschreibt. Bei wenig Wind in einem geschützten Gewässer eine schöne Motorfahrt. Bis auf den gewaltigen Schwell eines in der schmalen Fahrrinne entgegenkommenden Motorcruiser-Speedfreaks (auf der Straße sicher Porschefahrer), der mit 1000 Sachen eine riesen Welle über Betty ergießt - das Cockpit bleibt zum Glück trocken. Am späten Nachmittag steuere ich direkt den Hafen vom Wikingerschiff-Museum in Roskilde an und mache an einem der dort liegenden dänischen Haikutter fest.
Später, nach dem Aufklaren, laufe ich entlang des Wassers zur Westseite des Hafens und von dort durch ein wünderschönes Viertel reetgedeckter, kleiner Fischerhäuschen - mitten in Gärten voller blühender Sommerblumen - und durch die Peripherie von Roskilde in die menschenleere Altstadt rund um den Dom - weit und breit sind keine Anwohner oder Touristen zu sehen - alles ist wie ausgestorben, dabei ist es erst so gegen 8 Uhr und noch sommerlich hell. Auf dem Rückweg komme ich zu einer großen, parkähnlichen Wiese mit eindrucksvollen Stadtvillen auf der einen Seite und einem zum Fjord abfallenden, wallartigen Platz in der Mitte. Eine Tafel informiert mich, dass hier dir erste Frühkirche Dänemarks gestanden hat und darunter ein wichtiger Vikingerhafen gewesen war. Was für ein bedeuntender Ort mit einem so schönem Blick über das Wasser. Hier dringt dann überraschend der dröhnende Bassklang von Rockmusik schwach aus der Ferne an mein Ohr und plötzlich dämmert mir, dass irgendwo in der Stadt vielleicht das berühmte Rockfestival passiert. Beim Abendessen fängt es an zu regnen und der Plan, vielleicht doch noch den Festivalplatz zu suchen, geht in der nassen, dunklen Nacht verloren.

Mo. 07.07.08 - Lynæs Lystbadehavn

Heute abend bin ich müde wie ein Murmeltier: war um 6 Uhr wach, aufgestanden und zuert zum Festivalplatz des Roskilde Festival gepilgert. Auf dem riesigen Gelände an einer Schnellstraße auf der anderen Seite der Stadt ist der Morgen der großen Abreise - überall Müll, schlafende, habtote oder packende Rockfans von Zwölf bis Sechzig Jahren: ohne die Musik und die Bühnenshow irgendwie deprimierend. Später, in der Stadt habe ich vom Touristenbüro bei Volvo in Kobenhavn angerufen und und für Freitag Ersatz für die Kühlwasserpumpe bestellt. Gegen 11 Uhr bin ich wieder auf dem Roskilde Fjord und fahre unter Maschine - Fock und Klüver gesetzt - bis vor die Brücke von Frederikssund, wo unter geborgenen Segeln gewartet wird.. und gewartet... bis nach mehr als einer halben Stunde endlich die Durchfahrt frei gegeben ist. Jetzt ist ein kühler Wind aus Nordwest hochgezogen und macht die Fahrt gegen die stärker aufkommende Welle immer unangenehmer. Deshalb ist der nächste Hafen vor dem Isefjord, Lynæs Lystbadehavn jetzt das Ziel. Um 17 Uhr dort angekommen, such ich einen Liegeplatz und finde nur noch außen neben einer riesigen Motoryacht Platz, die unter einer Persenning verdeckt dort wartet. Leider ist der Hafenmeister schon im Feierabend, so das Duschen wegen fehlender Duschmünzen zum Problem wird.

Di. 08.07.08 - Mölle / Schweden

der Hafen von Mölle in Schweden

Ein relativ windloser Sommertag - abgesehen von den Schauerböen vor einer dunklen Regenwolke später - bedeutet "typisches Topsegelwetter" und lädt zum Hissen des Topsegels über dem einen Reff, das ich am Morgen ins Groß gebunden hatte, geradezu ein. Da ich die Möglichkeit von einigen stärkeren Böen zum Glück früh erkenne, kann ich das Topsegel rechtzeitug bergen und Betty läuft während den Schauern auch bei halbem und raumem Wind mit geringem Ruderdruck in Richtung der Küste Schwedens. Nach der schwachen Front kommt das Topsegel wieder hoch und der für das Verkehrstrennungs-gebiet angeworfene Motor schiebt das Schiff bis zum Hafen Mölle durch eine jetzt windstille Flaute.
Den Ort Mölle hatte ich schon bei der Abfahrt zum Ziel gewählt, weil er als letzter kleiner Hafen vor dem Kap 'Kullen' liegt, wo die schwedische Küste stark nach Nordost schwenkt - möglicherweise eine Falle bei einer Wetteränderung auf westliche Windrichtungen. Beim Näherkommen vom Wasser kann ich eine Reihe großer, weißer Herrenhäusern ausmachen, die wie weiße Tupfer an dem Hang der Hügelkette des Kullen kleben. Das sieht malerisch aus und nach dem Vertäuen des Schiffs packe ich schnell ein paar Sachen zusammen und starte auf einen spätnachmittäglichen Ausflug. Aus dem bald eine längere Wanderung über die Hügelkette des Kullen wird. Hier finde ich eine einzigartige parkänliche Kulturlandschaft auf Granitgestein: liebliche Täler mit fast mannshohem Gras und einem Mix aus Laub- und Nadelbäumen; und kahle, nur mit Krüppelkiefern bestandene Gipfel, die immer wieder zum Abzweigen vom Weg einladen und großartige Ausblicke über die blauen Waser des Kattegat bieten.
Am liebsten hätte ich ein Zelt, meinen Schlafsack und eine Grundausrüstung zum Campen dabei - nur zu gern würde ich eine guten Platz für die Nacht wählen und gleich hier übernachten (was natürlich nicht erlaubt ist, worauf auch am Anfang des Weges Schilder hingewiesen hatten.), um erst am morgen zurück zum Schiff zu wandern.

So entsteht ein Plan, der irgendwann einmal möglicherweise in die Tat umgesetzt werden kann: "Cruising und Campen". Was ich damit meine, ist das Reisen als Kombination aus dem Segeln von Hafen zu Hafen, ausgerüstet mit allem, was ich für längere Ausflüge an Land bräuchte: einem Klappfahrrad, Einmannzelt, kleiner Campingausrüstung, Wander-klamotten etc., kurz gesagt einer mittleren Globetrotter-Ausstattung und dem Besuch von Sehenswürdigkeiten im weitesten Sinn in der Nähe. Wenn jetzt noch ein Laptop mit Internetverbindung an Bord wäre, könnte ich sogar schon vor Erreichen eine Hafens die Möglichkeiten für schöne Ausflüge in die Umgebung heraussuchen. Die nicht unbedingt zu Fuß oder mit dem Fahrrad gemacht werden müssen, sondern bei größeren Entfernungen auch mit Bus oder Bahn erreicht werden könnten und Übernachtungen wären natürlich auch im Hotel oder 'Bed & Breakfast' möglich. Ein schöner Plan unter einer Bedingung: viel, viel Zeit zum Reisen!

Mi. 09.07.08 - Helsinborg

Yachthafen Helsingborg

Da es von Mölle nach Helsingborg - meinem nächsten Hafen in Schweden - nur ein paar Stunden zu Segeln ist, will ich heute morgen nochmal auf den Kullen steigen, die Wanderung gestern abend hat mich zum Fan dieser Gegend werden lassen.
Mit einer besseren Kenntnis der verschiedenen Wegemarkierungen, steige ich heute zum alten Leuchtturm oben auf der höchsten Klippe über dem Kap hinauf. Die Aussicht ist atemberaubend, nur die vielen Touristen stören heute etwas. Als ich ziehmlich verschwitzt wieder beim Schiff bin, treffe ich dort Albert, einen jungen Mann aus dem Ort, der sich als ein richtiger Kenner von Smacks herausstellt. Als Junge ist er regelmäßig auf dem Schiff der Familie gesegelt, einem Austernfischer aus Falmouth, der große Ähnlichkeit zu Betty hatte, aber später dann verkauft wurde. An Bord von Betty fachsimpeln wir eine lange über die Für und Wieder von Gafflern, bis ich merke, dass es höchste Zeit wird, aufzubrechen.

Smackfan Albert aus Schweden

Bei relativ wenig Wind an einem weiteren sonnigen Sommertag geht es auf einem ruhigen Vorwindkurs unter voller Segelgarderobe in den Sund von København. Nur das scheppernde Geräusch bei geringen Umdrehungen des Motors, das von der Lichtmaschine herzurühren scheint, macht mir Sorgen. Sonst läuft alles nach Routine, nur längeres vor dem Wind segeln verbreitet etwas Langeweile bis ein heranrauschendes Powerboot sie unterbricht. Als das starke Schlauchboot nah genug herangekommen ist, erkenne ich Albert, den Smackfan von heute morgen, der mit seiner kleinen Tochter mehrer Kreise um Betty dreht und Fotos schießt.

Do. 10.07.08 - Nyhavn / København

wieder im Nyhavn - København

Nyhavn in København ist erreicht! Am Morgen hatte ich noch den historischen Freizeitpark Fredriksdal in Helsingborg besucht - und unter anderem ein wunderschönes, hölzernes, grasbewachsenes Blockhaus aus dem achtzehnten Jahrhundert besichtigt -, dann Mittags kurz über den Øresund ins dänische Helsingør gesegelt und dort dem nationalen maritimen Museum im Herzen der alten Festung Kronborg einen Besuch abgestattet.
Auf was für eine Hacksee (1,5 bis 2 m hohe kuze Welle) treffen wir die ersten zwei Stunden hinter Helsingør! Warum bloß steht die höchste See immer vor den Häfen? Betty taucht bei jeder dritten und vierten Welle mit dem Klüverbaum fast bis zum Steven tief in die wilde See - bis fast das ganze Vorschiff von grünem Wasser überflutet ist. Eine besonders hohe Welle bricht direkt über dem Schiff. Zum Glück bleibt das Cockpit wieder einmal trocken, aber viele neue Öffnungen in den Decksfugen lassen eine ganz schöne Menge Salzwasser sich über die vorderen beiden Kojen ergießen. Und vor der Ausfahrt war ich noch von einer einheimischen Seglerin gewarnt worden, nicht in Richtung København loszusegeln. Aber wieder einmal war der vorher gefaßte Plan - angesichts eigentlich guter Wetterbedingungen - stärker als Einsicht und lokaler Ratschläge.
Und trotzdem sind wir vor Dunkelwerden durchnäßt, aber wohlbehalten vor der Brücke vom Nyhavn angekommen.

Mo. 14.07.08 - Nyord

Nyord - Møen

Schon sehr früh am Morgen - noch vor dem Berufsverkehr - bin ich durch die kleine Brücke aus dem Nyhavn hinaus in den Hafen von København gefahren, der Himmel ist grau und wolkenverhangen. Dann werden die Segel mit einem Reff im Groß gesetzt. Während des Vormittags dreht der Wind von NW ganz auf West und frischt immer mehr auf. Obwohl ich streng genommen unter Landabdeckung segel, muß ich beim Queren der Koge und der Fakse Bugt (Bucht) ganz schön heftige Böen einstecken. Mittags lockert sich der Rackring vom Klüver 'Eins', den ich daraufhin einrollen muß. Zum Setzen des Klüvers 'Zwei' scheint es mir zu stürmisch - außerdem bin ich ganz schön demoralisiert, weil ich mich wieder zu sehr auf die eigentlich gute Wettervorhersage verlassen hatte und es trotzdem so stürmisch und naß geworden ist (wieder Salzwasser unter Deck!).

Di. 15.07.08 - Nyord

Nyord - Møen

Hafentag: Heute bin ich vom Hafen und der kleinen Insel Nyord 'rüber zur Insel Møn. Es war eine so lange Wanderung, dass ich zuerst dachte, ohne Fahrrad schaff ich es nicht. Schließlich habe ich nach der Brücke - ohne Karte etwas orientierungslos - einen sehr schönen Weg durch einen parkähnlichen Mischwald mit hohen Farnen im Unterholz bis zum Strand auf der nordöstlichen Seite von Møn gefunden. Hier ist mir die Idee vom Landgang-Logbuch gekommen: neben den Geschehnissen mit schiffigem Bezug im "Bord-Logbuch", werden wichtige Erlebnisse und/oder Begegnungen mit Menschen darin festgehalten.
So kann ich hier jetzt noch über den etwa sechzig-jährigen deutschen Schnurrbartträger schreiben, der mir am Morgen mit seinem riesigen Motorboot den vom Hafenmeister zugewiesenen Platz vor der Nase wegschnappte, so das ich außen längsseits festmachen muß. Er gehörte zu der Gruppe von 'Herren' in gehobener Stellung, die sich nicht unterhalten können, sondern alles besser wissen ohne Jemandem zuzuhören. Als seine Frau etwas zum Wetterbericht sagen wollte, wurde sie nur kurz angeschnautzt: "Also, davon verstehst Du eben nichts."
Am Abend zurück an Bord, nach einem fantastischen, typisch dänisch frühen Abendessen in einem verwunschenen Garten von Nyord, als der 'Schnäutzer' mir beim Kampf mit Klüver ein 'Gespräch aufdrängen will. Dafür ist die Stimmung heute, im abendlichen Dämmerlicht einfach zu gut und als ich einfach nicht wirklich reagieren will, zieht er sich beleidigt und grußlos in den Salon seines Kreuzers zurück.

Mi. 16.07.08 - Nykøbing

Nykøbing Havn

Früh am Morgen, nachdem ich Betty aus dem Päckchen geschlängelt habe, geht es erst einmal durch eine unerwartet kleine Welle und Wind der Stärke 3-4 gegenan aus West. Erst nach der großen Sundbrücke bei Vordingborg werden die Wellenberge höher und höher (ca. 1 - 1,5 m) je flacher das Wasser wird, in das wir kommen um möglichst schnell in den Guldborgsund zu kommen. Erst der Klüver No. 2 hilft dann den Bug über die Wellen zu hieven. Noch vor einem Jahr wäre ich nicht um das Kap herumgekommen und hätte umkehren müssen. Beim Bergen von eben diesem Klüver No. 2 im Guldborgsund entsteht dann noch ein großer Wuhling und es dauert lange, bis ich dies alles aufgeräumt habe.
Im Hafen von Nykøbing nimmt dann ein älterer Engländer die Leinen an und bewundert Betty als englisches Traditionsschiff unter deutscher Flagge als ich an dem Liegeplatz festgemacht habe. Nach ein wenig Fachsimpeln zieht er sich auf seine große, moderne Yacht zurück.

Do. 17.07.08 - Warnemünde

sailing home

Oh, dieser verfluchte Südwestwind, irgendwann raubt er mir nochmal den Verstand! Seit ich Kopenhagen verlassen habe, also seit vier Tagen, bläßte es genau aus der Richtung, in der Lübeck liegt. Aber ich will auch nicht aufgeben, nachdem ich mir vorgenommen hatte, zum Ende des Urlaubs mit dem Schiff zurück an seinem Sommerliegeplatz zu sein. Heute klappt das Gegenanbolzen unter drei Vorsegeln - Klüver No.1, Klüver No.2 und Fock - ganz gut, wenn ich davon absehe, das die Maschine manchmal mitschiebt, so z.B. im Verkehrstrennungsgebiet.
Morgen spricht mich der Engländer von gestern noch am Steg an, ob es wohl möglich ist, bei der herrschenden Windrichtung Fehmarn anzusteuern. Ich äußere die Ansicht, dass für mich wohl nicht mehr als Warnemünde drin ist. Dann werfen wir ungefähr zur selben Zeit die Leinen los und fahren in den Guldborgsund in Richtung Gedser. Ich habe etwas Vorsprung, um in der Bucht vor der Mündung das Groß hochzuziehen und dann doch zusammen bei den Off-shore Windmühlen vor Gedser anzukommen. Als ich endlich den Kurs auf Warnemünde anlege, kann ich durchs Fernglas beobachten, wie die moderne englische Yacht in Richtung Fehmarn abbiegt - völlig unmöglich für mich.
Warnemünde liegt dann ganz gut auf Kurs und ich erreiche es noch vor Dunkelwerden um 20 Uhr und mache im alten Seglerhafen fest.

Fr. 18.07.08 - Timmendorf - Poel

Timmendorf - Poel

Wie hatte ich nur gehofft, der Wind könnte ein paar Stunden aus Süd kommen! Aber nun weht er wieder genau aus SW voll auf die Nase. Zwar nur mit vier Windstärken, maximal fünf, aber das reicht aus, um eine Ostsee-Welle aufzutürmen - kurz, steil und gemein - die Betty einfach nicht aussegeln kann. Bei genügend Fahrt (so um die 4-5 Knoten) lauf ich bei halbem Wind auf die östliche Seite von Fehmarn zu, wohin ich gestern wollte, aber nicht heute. Höher am Wind werden die Wellen einfach zu brutal und stoppen das Schiff auf maximal 2-3 Knoten ab, so dass alles in einer wüsten Schaukelei endet. Ich falle also wieder auf den ungewollten Fehmarnkurs ab. Am Ende schmeiß ich den Motor an, nehm die Segel weg und kämpfe mich wieder einmal unter Motor zum Hafen von Timmendorf auf Poel.

Sa. 19.07.08 - Museumshafen zu Lübeck

Museumshafen zu Lübeck

 
Standort
Datum

Uhrzeit

 
Sa. 19.07.08

21.00

 
geographischer Ort
Längen-/Breitengrad
 
zurückgelegte Seemeilen:
40,8 nm
Vortag:
9062,8 gesamt: 9103,6
   
 

 

Tagesereignisse
 
 

Bis nach Travemünde weht dann endlich der lang erhoffte super Segelwind aus Süd-Südwest. Weil ich ganz früh in Timmendorf auf Poel gestartet bin, platze ich schon um 10 Uhr an einem sonnigen Sonnabendvormittag in die Travemünder Woche mitten auf der Travemünder Bucht. Ganz spontan drehe ich deshalb eine Ehrenrunde zwischen mehreren Regatten, immer auf der Hut, niemanden zu behindern.
Dann segel ich nach Travemünde 'rein und mache an der 'Krik Vig' von Rudolf und Gisela Martens im Strom fest. Die Begrüßung ist herzlich, aber irgendwie scheint Rudolf nicht derselbe zu sein - geradezu sorgenvoll. Ich versuche Gisela danach zu befragen, aber immer sind irgenwelche Fremde in Hörweite. Deshalb nutze ich die Zeit die Segel ein letztes Mal zusammen zu legen und ordentlich einzupacken.
Bis die Drehbrücke in Lübeck um 20 Uhr öffnet ist noch viel Zeit und deshalb tucker ich ganz gemühtlich die Untertrave hinauf und werde kurz bei einem herabstürtzenden Gewitter von viel Süßwasser gewaschen. Auf die Eric Warburg Brücke warte ich tatsächlich bis genau um 19.30 Uhr. Die Drehbrücke öffnet dann gleich beim Herankommen, obwohl es noch nicht genau 8 Uhr ist. Mein neuer Liegeplatz unter Bäumen und einer Straßenlampe gefällt mir ganz gut, mal sehen ob das so bleibt.

   
  Skipper:Jan Holthusen  

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