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Die Konstruktion der Smack

Die herausragenden Merkmale einer Smack sind:

  1. ein gaffelgetakeltes Kutter- oder eine Ketschrigg (Groß-, Besansegel und Klüver mit Baum u. Klüverbaum, Fock),
  2. Langkieler mit sehr scharfen Linien im Rumpf, ohne Kielschwert oder Seitenschwertern,
  3. mit steilem, fast senkrechtem Vorsteven, tiefem Vorderfuß, relativ geradem Kiel, Heck mit Spiegel und Ruderkoker,
  4. niedriges Freibord,
  5. ein durchgedecktes Deck,
  6. eine Pinne anstatt vom Rad,
  7. Taljen anstatt von Winschen,
  8. Spieren aus Holz.
Smack Unity von Kapitän William Wyatt auf dem Trockenen   Ex-Polizei-Smack Fly MN17 aus Maldon

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Die Essex-Smack Beatrice

Bei Thomas Harvey und Sohn liefen zahlreiche Smacks vom Stapel, dessen in Wivenhoe gelegene Werft wahrscheinlich die formschönsten und am saubersten ausgeführten Kutter hervorgebracht hat. Ein Beispiel für diese Boote war die 15 Tonnen große Beatrice, die 1848 für Kapitän Mason gebaut wurde und später im Besitz von Kapitän James Barnard aus Rowhedge war. Ihre Länge über alles betrug 13,73 Meter bei 3,66 Breite und 1,97 Metern Tiefgang achtern. Der lange, gerade Kiel, der nach vorn stark anstieg und mit leichter Rundung in den senkrechten Steven überging, das große Freibord vorn, der anmutige Sprung und der flache, gut geformte Hecküberhang sind Markenzeichen dieses Typs. Die Rumpflinien waren bei den verschiedenen Bauwerften etwas unterschiedlich, im Allgemeinen hatte der Rumpf aber einen ziemlich stark aufgekimmten Boden, einigermaßen stark gekrümmte Kimmen, hohle Vorschiffswasserlinien und einen langen, sauber strakenden Ablauf, der in den flachen Hecküberhang überging.

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Smacks waren Fischereiboote > die Fischer

Die Boote waren an der Kreuz sehr schnell, und durch den scharf geschnittenen Bug kamen sie auch bei Seegang noch gut voran. Das geringe Freibord achtern mit einem Schanzkleid von knapp 40 Zentimetern war für die Arbeit mit dem Fanggeschirr unvermeidlich, ließ das Achterdeck bei schwerem Wetter aber sehr naß werden. Man kann mit diesen Kuttern jedoch gegen fast jedes Wetter an. Der gesamte Ballast lag innen, er bestand aus Eisenbarren und Roheisen. Die Bodenwegerung darüber war genagelt. Die Vorpiek, zugänglich durch eine Decksluke, diente als Last für Segel, Tauwerk und Farben. Ein festes Schott beim Mast und ein achteres Fischraumschott vor dem Logis teilten den mittschiffs gelegenen Fischraum ab. Die quadratische Fischraurnluke hatte eine Seitenlänge von 1,53 Metern. Die vierköpfige Besatzung war achtern in der Kajüte untergebracht, die an der Seite Alkovenkojen hatte und am Schott einen Kohleherd. Die Kajütluke befand sich direkt vor der Pinne, und der Kompaß war innerhalb der Luke montiert. An Deck stand ein Bratspill für die Ankerkette und ein eisernes Handkurbelspill für die Kurrleinen. Fallen und Schoten wurden per Hand geholt.

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Ein klassischer Kutter

Segelriss der 'Peace' von Douglas Stone, 1909   My Alice CK348 in Brightlingsea

Wie die meisten dieser Boote war die Beatrice als klassischer Kutter getakelt - mit langer, einfahrbarer Stenge und einem Klüverbaum, der sich in einer Beting einfahren lieg. Die Beting bestand aus einem Knie und einem Poller, der bis zum Kielschwein durchging und an dem auch die Pallklinke der Ankerwinde befestigt war. Die Beatrice hatte mit Großsegel, Fock, Klüver und Dreikanttoppsegel 116 Quadratmeter Segelfläche. Bei leichtem Wetter wurde ein größeres Toppsegel mit Toppsegelrah gesetzt und eine Ballonfock oder ein Ballonklüver, der am Wind mit dem Hals an der Klüverbaumnock als Klüverbaumspinnaker gefahren, weit nach achtern geschotet und vor dem Wind als Spinnaker ausgebaumt wurde. Ein Starkwindklüver und ein Sturmklüver vervollständigten die Segelgarderobe. Smacks dieser Größe führten kein Trysegel, das Großsegel konnte aber sehr weit gerefft werden. Solche Smacks wurden bis etwa 1890 für zehn Pfund pro Registertonne (Rumpf, Mast und Spieren) einfach, aber stark gebaut: Kiel aus Ulme, Kielschwein aus Kiefer, Steven, Stevenknie und Spanten aus Eiche, Beplankung Kiefer, Schergänge und Berghölzer Eiche, alles eisenfest, Decksbalken aus Eiche, Balkweger, Decksplanken, Mast und Spieren aus Kiefer.

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Die große Smack > in England und auf dem Kontinent

Ein Beispiel für die großen Smacks ist der Kutter Aquiline aus Rowhedge, Eigner Kapitän Harry Cook. Das Schiff lief 1865 auf der Werft von Harris vom Stapel. Der gut gebaute Rumpf war 19,80 Meter lang, 4,58 breit und ging beladen 2,60 Meter tief, leer etwas weniger. Das Schiff zeigte kräftigen Sprung und schone, scharfe Linien. Die Segelfläche am Wind betrug 185 Quadratmeter. Der Grosbaum war 3,72 Meter lang, der Klüverbaum außenbords 7,32. Beim Austernfang auf See wurde das Grogsegel oft geborgen, der Baum auf einer Gabelstütze festgezurrt und ein großes Trysegel mit eigener Gaffel gesetzt, das mit Taljen zum Achterschiff geschotet wurde. Diese großen Kutter unterschieden sich an Deck und unter Deck sehr von den kleinen Smacks, von denen viele noch heute existieren. Vorn stand das übliche Bratspill für die Ankerkette, die durch einen kurzen Ausleger vom Steven frei gehalten wurde. Mit dieser Winde wurde in der Sprottensaison auch das Ankerhamennetz bedient. Eine große untersetzte Handwinsch mit vier Spillköpfen stand dicht vor dem Mast. Ober diese Winsch wurden Fallen gefahren, der Klüverbaum ausgerannt, Fanggeschirr bedient oder die Ladung gelöscht. Eine weitere Winsch oder ein Kurbelspill stand mittschiffs. Daran konnten zwei oder mehr Mann arbeiten, um die Zugleinen der Dredschen oder die Kurrleinen des Schleppnetzes einzuholen. Da die Boote aus Essex keine Dampfspills hatten wie die reinen Schleppnetzkutter aus den großen Fischereihäfen, mußte alles mit Muskelkraft bewältigt werden. Das blieb so, bis die Zeit der Segelkutter vorbei war. Ein geklinkertes Beiboot von etwa 4,50 Metern Länge lag an Deck. Bei schwerem Wetter wurde es kieloben über der Grosluke festgezurrt. Sonntags im Hafen oder an Regattatagen führten die meisten Kutter im Topp einen langen Wimpel mit dem Schiffsnamen oder dessen Anfangsbuchstaben. Viele hatten auch ein Unterscheidungssignal aus Buchstabenflaggen. Das zeigt, dass es wirkliche Seeschiffe waren, die weit herumkamen. Nur wenige hatten Rüsten, die beim Anbordnehmen des Hamengeschirrs gestört hatten.

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Aufteilung unter Deck

Unter Deck lag ganz vorn die Vorpiek, die als Kettenlast diente. Der Raum zwischen dem Vorpiekschott und dem Mast wurde Mastraum genannt. Darin befanden sich ein großes Trinkwasserfaß und Borde für Brot, Kartoffeln und Gemüse. Ein Teilschott trennte diesen Raum vom Fischraum ab, der etwa ein Drittel der Schiffslänge einnahm. Der Ballast bestand aus sauberem Strandkies mit einem Anteil Roheisen. Darüber waren die Bauchdielen (Bodenwegerung) genagelt. Die ganze Besatzung schlief achtern. Ein Schiebeluk an Deck führte ins Logis. In diesem gut vier Meter langen und kaum drei Meter breiten Raum lebten sechs Mann monatelang. Vier Kojen waren an den Seiten eingebaut, davor Kastenbinke. Die Kojen hatten Schiebetüren, die man von innen schließen konnte, um seine Ruhe zu haben. Ganz achtern war noch eine Doppelkoje quer eingebaut, die man wegen ihrer Größe die „Yarmouth Reede“ nannte. Dort konnten zwei Schiffsjungen schlafen. Ihr Schlaflied war das Knarren, Quietschen und Stoßen des Ruderschaftes, der sich im Ruderkoker nicht weit von ihren Köpfen drehte. Auf dem schwarzen Kohlenherd stand ein Kessel und ein riesiger Teetopf, der erst dann einmal ganz geleert wurde, wenn so viel Tee darin war, dass nicht einmal mehr sechs Muggen Wasser hineinpaßten. Die Messer und Gabeln steckten in Windrissen der Decksbalken über dem Herd. Topfdeckel dienten bei Seegang als praktische Teller, wenn man den Griff zwischen den Knien hielt.

aus “Smacks and Bawleys” von John Leather

 

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