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BETTY CK145 - Dokument

  Strandung in der Mündung der Canche am 10.08.2004
  Aquarell vom Schiff auf der Barre Artikel im französischen Regionalblatt Strandung in Nordfrankreich
           
  Unfallhergang vom 10.08.2004

Ort: Strand von St Gabriel, Gemeinde von Camiers.62 bei Ste Cecile - Ville d’étaples sur mer, Frankreich

Zeit: 2050 am Dienstag, 10.08.2004

Schiff: „Betty - CK145“, Baujahr 1906, Länge: 10,60 m, Breite: 2,95 m, Tiefe: 1,28 m, Material: Holz, Zustand: gut - sehr gut, keine gewichtigen Mängel

Mannschaft: Hans Christian Holthusen (Skipper u. Eigner), 50, Sportboot-Führerschein See, deutsch Dirk Hauptmann, 40, Sportboot-Führerschein See/Binnen, SKS, deutsch Anne Buch, 24, deutsch Ivan Frohberg, 26, Franzose

Zustand der Crew: alle sind gesund und ausgeruht Wetter: Wind: SW 3, Seegangsstärke: 2 mit einer langen Dünung, Sicht: 10-20 sm, 1013 bar, klar mit vereinzelten Wolken, Hochwasser: 2050 Uhr

Unfallbeschreibung: Am 10.08.04 um 1130 und nochmal um 1545 Uhr den Hafenmeister von Étaples angerufen, um nach freiem Liegeplatz zu fragen; leider ist nur der Anrufbeantworter dran. Um 1630 Uhr in der Marina von Boulogne sur Mer abgelegt. Vor dem Hafen bis 1700 Uhr Segel (Groß, Fock, Klüver u. Topsegel) gesetzt und Maschine aus. Bis 1755 Uhr vor Boulogne gegen leichten SW-Wind gekreuzt. Um 1800 Uhr Maschine wieder an und auf Kurs 180° gegangen. Gegen 2000 Uhr vor der Fahrwassereinfahrt des Fluß Canche nach Étaples (grüne u. rote Leuchttonne) alle Segel geborgen. Anne Buch ist am Steuer. Nochmal den Hafen von Étaples angerufen; wieder ist nur der Anrufbeantworter zu bekommen. Um 2015 Fishfinder angeschaltet und den roten Fahrwasserbojen in den Kanal gefolgt. Gegen 2025 näher am (Strand) Ufer bei 3-4 m Tiefe stärkere Dünung (Schwell) und ich übernehme die Pinne. Der Fishfinder zeigt jetzt stark schwankende Werte (0,5 - 3 m) an.

Da schon vorher manchmal mit diesem Defekt, traue ich diesen Werten nicht viel zu. Die Position um 2040 Uhr 050° 34,30’ N, 001° 35’ E zeigt auf der Seekarte (Imray C15) ausreichend sichere Wassertiefe zu dieser Tiedenzeit, trotzdem bin ich von den Fishfinder angaben abgelenkt und das Steuern in den langen Brandungswellen ist nicht leicht, während ich den roten Fahrwassertonnen in Richtung Étaples folge. Um 2045 Uhr ist in dem jetzt ca. 20 m breiten (zwischen roter u. grünen Boje) Kanal in Westl. Richtung ein W-Kardinal (Mast mit Licht auf wasserumspülten Steinen) in der Mitte zwischen linkem und rechtem Fahrwasserrand.

Schiffsbruch

Ich steuere bei 5 Knoten Fahrt unter Motor auf der linken Fahrwasserseite, als plötzlich nach passieren des W-Kardinals ein starker Schlag das achterliche Unterwasserschiff erschüttert. Mir ist sofort bewußt, daß das Schiff Grundberührung hat und schalte auf volle Fahrt zurück, allerdings scheinbar ohne Erfolg, da die nächsten Wellen uns immer wieder auf Steine setzen.

Um 2050 Uhr beschließe ich den Baum über die Bordseite zu legen, damit das Schiff bei größerer Kränkung unter Vollgas wieder frei kommt. Es herrscht jetzt der höchste Hochwasserstand und nach der Seekarte müßten wir wieder frei kommen können. Aber jede Dünungswelle und auch der Schwell von vorbeifahrenden Motorbooten werfen das Schiff immer wieder schwer auf Steine und wir kommen so nicht frei. Nach 2100 Uhr werden die Schläge aufgrund des fallenden Wassers immer schwerer und um 2105 haben wir einen Wassereinbruch auf der Steuerbordseite. Da ein Freikommen aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist, schicke ich mit dem VHF (Mariophon) einen Notruf ab.

Gegen 2120 kommt der Hubschrauber der „CROSS“ (franz. Küstenwache/Marine) und setzt einen Taucher ab, der unser Beiboot mit Anne Buch und Dirk Hauptmann zum jetzt ca. 100 m entfernte Ufer zieht. Ein Schlauchboot der Feuerwehr von Ste Cecile holt Ivan Frohberg und mich mit den Schiffspapieren und dem Notebook wenig später von Bord. Für die Nacht werden wir in einer Notunterkunft untergebracht. Den ganzen nächsten Tag (11.08.) verbringen wir von der Crew und ganz viele Helfer mit der Vorbereitung des Freischleppens beim 2. HW gegen ca. 2200 Uhr. Dazu werden die Lecks steuer- u. backbords im Rumpf von einem Bootstischler provisorisch abgedichtet, Autoreifen und Fender als Schutz rund ums Schiff befestigt, ein Teil des Stein/Betonwalles abgetragen, 2 Motorpumpen an Bord gebracht und große Plastiksäcke für Auftrieb vorn und achtern von Tauchern vorbereitet.

Um 2100 Uhr, ca. 1 Stunde vor HW, gelingt es das Schiff endlich von dem Steinwall herunterzuziehen und ganz langsam mit laufenden Pumpen, bis 0030 am 12.08. an den Quai von Étaples zu schleppen und dort festzumachen. Um 1000 am 12.08. wird Betty mit Hilfe eines großen Hebelifts sicher an Land gehoben und die Aufräum- u. Reinigungsarbeiten beginnen. An diesem Tag muß das Beiboot vom Strand gestohlen worden sein.

Navigationshilfen:

- GPS, Fishfinder, Kompaß, Log.

- Seekarte Imray C31 Eastern English Channel „Dover Strait to Le Havre“

- „The Cruising Almanac 2003/2004“ von Imray - Reeds Nautical Almanac 2004

- Shell Channel Pilot von Tom Cunliffe, 1996

Der „Shell Channel Pilot“ schreibt dazu: The river Canche dries to a trickle for up to 2 miles offshore, but within an hour of MHWS 3m has been reliably reported as far as the small marina at Etaples. More is claimed locally. This will reduce to 1.2m at neaps. Le Touquet dries completely, but there is likely to be 1.5m up to it at MHWN, with considerably more at springs.... The Canche looks an attractive proposition at high water, but at low it would curdle the blood of all but the most optimistic ditch-explorer.... The outermost buoys of the channel are found 4 cables south-southeast of an unlit west cardinal buoy which marks a wreck on the edge of the drying line. The buoys are a lit red pillar, Canche No. 2, and an unlit green cone, No. 1. Thereafter, the buoyed channel meanders northeast towards the shore. Observe the buoys with great care. After a mile or so the channel swings to starboard, towards a light structure (FI.R.4s) northeast of Pointe du Touquet. Further up towards Etaples, buoys stop and red and green beacons begin... The important thing is to locate Canche No. 2 buoy and then follow the others slavishly.... The Capitainerie listens on VHF Ch 9 from 2 hours before to 2 hours after HW, V 21 84 54 33. und der „The Cruising Almanac 2003/2004“: The approach is impracticable with strong winds from SW through W to NE because of breakers. It should be attempted only in daylight, in settled weather between HW ±0200 according to tide and preferably before springs to avoid the risk of being neaped. (There is 3m at springs but only 1m at neaps.).... Channel is markeel by buoys and bns, altered to meet changes. The first pair is usually about 1/2M W of Pte de Lornel, whence the course is on the N side of the estuary. After the buoys, currently seven pairs, the channel to Etaples is marked by port bns. HM 03 2184 54 33. VHF 09 (HW±0200). und schließlich der „Reeds Nautical Almanac 2004“: SHELTER Good, except in strong W’lies. At Étaples, access HW ±2 to small marina (1.2m) close downstream of low bridge; beware 5kn current.... Chan ent may be N or S of the +, which is in the W sector of Carniers It. Appr & ent are not easy; estuary dries 1 M offshore. Entry should not be attempted in even moderate SW/W winds, when seas break heavily a long way out. Best app is at HW -1 to reach Étaples marina at slack water.... The outer part of the buoyed chan is always shifting, but Nos 1 & 2 buoys (the latter, F1 (2) R 6s) should be seen from the WPT Bcn, FI R 4s, 4ca SW of Camiers It, marks the seaward end of covering training wall defining NE side of River Canche to marina; wall also marked by posts.

Das französische Hafenhandbuch empfiehlt an dieser Stelle, vor dem Einlaufen in die Canche den Harbourmaster von Étaples anzurufen, er würde dann mit einem Boot herauskommen und das Schiff herein lotsen. Leider war am 10.08. dreimal nur der Anrufbeantworter dran. Weder in der Seekarte noch in einem der Hafenhandbücher sind die Steinwälle (Dünen) mit den beiden Kardinalen verzeichnet. Die Kennzeichnung des ersten Walles mit einem W-Kardinal und die der parallel dazu verlaufenden Düne mit einem S-Kardinal zeigt die Unsicherheit der Behörden an dieser Stelle, was dadurch belegt wird, daß wir das vierte Schiff in diesem Jahr sind, das an dieser Stelle gestrandet ist.

Einheimische Segler erzählten uns, daß sie deshalb die zuständige Behörde schon mehrfach aufgefordert haben, die roten Bojen als Fahrwassermarkierung weg von den Steinwällen und mehr in die Mitte des Fahrwassers zu legen und die Hindernisse eindeutiger vom Fahrwasser zu markieren. Ohne Erfolg. Der Leiter des zuständigen „Port Departmental d’Étaples“, M. Georges Andrieux, erklärte auf meine diesbezügliche Frage, in den letzten Jahren hätten zusätzliche Stangen (Kardinals) als Warnung auf den Wällen gestanden und dies sei auch für das nächste Jahr wieder vorgesehen.

Zum Schluß gehört mein besonderer Dank der Crew, den Experten und all den vielen Helfern, für den großen Einsatz, den sie zur Rettung dieses besonderen Schiffes aufgebracht haben, das vom „CROSS“ (franz. Küstenwache) schon aufgegeben war.

 

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